Coronavirus Covid-19

Wie Graphen unser Verständnis von Covid-19 beeinflussen

Share on facebook
Share on twitter
Share on whatsapp
Share on email
Covid-19 ist eine virale Infektionskrankheit, die uns nun schon seit längerem beschäftigt. Lesen Sie hier wie uns Graphen beeinflussen und unsere Wahrnehmung verzerren können.

Dieser bekannte Graph zeigt den Stand der meisten Länder im Kampf gegen das Coronavirus (Covid-19). Allerdings hat das Diagramm einige versteckte und irreführende Aussagen, die ich im Folgenden einmal in vier Punkten erläutern werde.

Covid-19_1

1) Nur bestätigte Fälle

Es werden nur die bestätigten Covid-19 Fälle und nicht die tatsächlich infizierten Personen (Dunkelziffer) im Diagramm aufgeführt. Allerdings kann kein Land daran etwas ändern, da man nur durch Tests herausfinden kann, wie viele Menschen tatsächlich infiziert sind. Des Weiteren wird nicht nur der Ausbruch von Covid-19 dargestellt, sondern auch wie viel ein Land seine Bürger testet. Je mehr Tests, desto mehr bestätigte Fälle und desto steiler ist der Anstieg im Graphen.

Problematisch wird das bei ärmeren Ländern z.B. in Afrika oder Lateinamerika, die aus finanziellen und infrastrukturellen Gründen nicht in der Lage sind adäquat zu testen, sodass der Eindruck entsteht, dass diese Länder weitestgehend von der Pandemie verschont bleiben.

2) Logarithmische Achse

Die y-Achse (vertikal) ist eine logarithmische und nicht lineare Achse, wie sonst üblich. Das bedeutet, dass es nicht gleich große Abstände und Räume für die jeweilige Anzahl an Fällen gibt. Der Abschnitt an der y-Achse für Covid-19 Fälle wird immer kleiner, je weiter man nach oben geht.

Das Diagramm wächst auf der y-Achse nicht (wie linear) in gleichmäßigen Abständen, sondern multipliziert sich von Stufe zu Stufe mit dem Faktor 10.

 

100 -> 1.000 -> 10.000 -> 100.000

Covid-19 2
Linear
Covid-19 2_1
Logarithmisch

Wir betrachten fünf der Länder mit relativ großen Ausbrüchen und analysieren den Graphen am 17. März 2020. Es fällt auf, dass es im linken Diagramm (linear) speziell für Italien schlecht aussieht und die anderen vier verhältnismäßig gut dastehen.

Doch auf der Log-Skala kann man ein klareres Bild erkennen. Alle fünf Länder befinden sich auf dem gleichen Weg (exponentielles Wachstum). Ebenso wie die Pandemie wachsen die Linien im logarithmischen Graphen exponentiell.

Covid-19 3

Zum Vergleich: Der grüne und der orange Bereich in dem Diagramm entsprechen jeweils 100.000 Infizierten.

3) Populationsgröße wird ignoriert

Covid-19 4
Covid-19 Fälle pro eine Million Menschen in Luxemburg und den USA (log)

Passt man die Diagramme an Covid-19 Fälle pro eine Million Menschen an, dann lässt die logarithmische Grafik es so aussehen, als ob auch kleine Länder wie z.B. Luxemburg einen großen Ausbruch haben.

Die USA haben eine wesentlich größere Population, sodass ihre Kurve etwas abflacht. Das Problem ist aber, dass die Größe eines Landes nicht die Wachstumsrate der Coronavirusfälle beeinflusst.

Des Weiteren gibt der Graph auch keine Auskunft darüber, ob und wie ein Land mit der Pandemie umgehen kann. Es werden nur kleinere Länder nach oben verschoben, sodass ignoriert wird, dass es in größeren Ländern Regionen gibt, die stärker betroffen sind als ein kleines Land wie Luxemburg. Diese Regionen werden allerdings unter dem Deckmantel einer dichtbevölkerten Nation im Diagramm „versteckt“. (vgl. New York, USA)

4) Keine einheitlichen Zeiträume

Die x-Achse (horizontal) bezieht sich nicht auf einheitliche Zeiträume (gleiches Datum), sondern wird in vergangenen Tagen seit 100 bestätigten Infektionsfällen angegeben.

 

Dadurch ist es nicht klar erkennbar, dass die Pandemie nicht alle Länder gleichzeitig, sondern hintereinander getroffen hat. Das Coronavirus breitet sich also immer mehr in der Welt aus, sodass sich – auch durch lokale Lockdown-Maßnahmen – die weltweiten Zentren der Pandemie phasenweise verschieben können.

Fazit

Als zu Beginn des Jahres 2020 einige Fälle in China gemeldet worden waren, hat die Weltöffentlichkeit ungläubig und mit fehlender Ernsthaftigkeit die Situation falsch eingeschätzt. Von der „Chinesischen Krankheit“ hat sich SARS-CoV-2 zu einer weltweiten Epidemie – einer Pandemie – entwickelt.

Lesen Sie hier über möglicherweise schwere Folgeschäden.

Mit den ersten Ausbrüchen in Südkorea, dem Iran und Italien sind auch andere Länder langsam aufgewacht. Ab diesem Zeitpunkt wurden die Indikatoren ernst genommen.

Heute (Stand: Mitte Juli 2020) haben sich Nord-, Mittel- und Südamerika als Zentrum der Pandemie herauskristallisiert. Und noch ist keine Ende in Sicht, die Zahlen steigen weiter an.

Mittlerweile haben wir die zweite Welle fast überstanden, es wird über Lockerungen diskutiert und ed gibt die Gefahr einer möglichen dritten Welle. (Stand: Anfang März 2021)

Teilen

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on pinterest
Share on whatsapp
Share on email
Share on reddit

Tragen Sie sich jetzt in den Newsletter ein!