„Arminius“ – Seine Geschichte gilt als Gründungsmythos des deutschen Kaiserreichs und wird noch heute in der Schule gelehrt. Aber was es damit auf sich hat und warum er auf den zweiten Blick vielleicht doch nicht so ein glorreicher Anführer war, wie oftmals behauptet, finden wir in folgendem Artikel heraus.

Der Mythos Arminius – Hintergrund

Im neunten Jahrhundert nach Christus gibt es für die Römer in Germanien nichts Reizvolles zu entdecken. Die Gegend war arm und eigentlich uninteressant.
Das düstere, mit Wald besetzte und kalte Gebiet liegt nördlich der Donau und östlich des Rheins. Im Westen und Süden grenzt es an das übermächtige Imperium Romanum, das von den Römern kontrolliert wird.
Immer wieder gibt es Übergriffe germanischer Stämme, was die römische Seite als Provokation deutet.
Eine Reaktion lässt nicht lange auf sich warten – römische Truppen greifen an.
Es folgt eine Strafexpedition, damit die Germanen tributpflichtig gemacht werden können. (Sie sollen Steuern zahlen.)
Bekannt ist der Feldzug der Römer heute als „Varusschlacht“.

Wer war Arminius?

Über Arminius ist nicht viel bekannt. Er ist also wirklich eine Art Mythos.
Sicher ist aber, dass er als Sohn eines Cheruskers (Die Cherusker = germanischer Stamm) auf die Welt gekommen, aber bei den Römern aufgewachsen ist. Er konnte eine römische Militärausbildung genießen und ist sogar zum Offizier aufgestiegen.
Weiter nach oben konnte er allerdings nicht, da er kein gebürtiger Römer war.

In der späteren Schlacht würde er die Seiten wechseln und den germanischen Stämmen helfen gegen die Römer zu gewinnen, indem er ihr „Heerführer“ werden würde. Durch sein Wissen über römische Kriegsführung war er eine wertvolle Waffe.

Arminius Hermann Denkmal

Die Varusschlacht und die Reaktion „der Germanen“

Geleitet wurde die Expedition von dem römischen Feldherrn „Varus“ (daher der Name), der bereit war einen erbitterten Kampf zu führen. Doch auch „die Germanen“ waren nicht zimperlich. Diese starteten einen erbitterten Abwehrkampf und gingen äußerst brutal vor.

Warum „die Germanen“?
Eigentlich gibt es viele germanische Stämme in einem Gebiet, das von den Römern „Germania“ genannt wurde. Es gab eigentlich nie wirklich einen Zusammenschluss dieser, da die Stämme durchaus unterschiedlich – also kein Volk – waren.
Das Image „der Germanen“ war auch negativ behaftet. Die Römer bezeichneten sie als „Barbaricum“ (sozial und intellektuell rückständig) und hielten sie für wild, bestialisch und grausam.

„Die Germanen“ selber haben sich nicht als Germanen gesehen und kannten wahrscheinlich auch viele andere Stämme gar nicht.

Vlad der Pfähler

Ungleicher hätte ein Kampf kaum sein können.
Auf der einen Seite gab es die übermächtigen Römer, die fortgeschrittene Kriegstaktiken, Formationen und Waffen hatten, diese aber nicht einsetzen konnten, da das Gelände ein großes Hindernis darstellte. Die waldige und sumpfige Umgebung machte ihnen zu schaffen.
Auf der anderen Seite gab es die hoffnungslos unterlegenen „Germanen“, die aber einen Heimvorteil und aufgrund ihrer Guerillataktik auch keine Probleme mit dem Gelände hatten.

Es war für die Römer nicht möglich Formationen zu bilden, da die einzelnen Legionäre – aufgrund der natürlichen Beschaffenheiten – zu weit auseinander waren. Germanische „Truppen“ griffen aus dem Hinterhalt an und schlachteten ihre Feinde regelrecht ab. Es wurde niemand verschont und es gab keine Kriegsgefangenen.
Römische Leichen wurden sogar auf Pfähle gespießt oder an Bäume gehangen. Dies verstärkte den Eindruck der barbarischen „Germanen“.

Letztendlich gewinnen die germanischen Stämme, da die Römer einsehen, dass sie so keine Chance haben und sich zurückziehen müssen.
Seitdem wurden „die Germanen“ eher in Ruhe gelassen.

Und obwohl Arminius den germanischen Stämmen geholfen hatte zu gewinnen, wurde er nach der erfolgreichen Schlacht von den Cheruskern – seinem eigenen Stamm – hingerichtet.

Der Mythos Arminius – Was ist dran?

Arminius wird als „Nationalheld“ gesehen, aber ist das so richtig? Oder muss man die Sache vielleicht auch aus einem anderen Blickwinkel betrachten?

1) Durch Arminius gibt es zum ersten Mal vereinte germanische Stämme bzw. ein Volk.
Die Verbundenheit als Volk diente mehr als Mittel zum ZweckVereint durch Angst vor dem gemeinsamen Feind (die Römer), haben sich die einzelnen Stämme erst verbunden.
Auch Arminius, der „Heerführer“ war und „den Germanen“ zum Sieg verholfen hat, war nicht der, für den ihn alle halten.
Da er als Offizier bei den Römern nicht mehr aufsteigen konnte, hat er wahrscheinlich bei seinen Verwandten die Chance gewittert, etwas großes (z.B. „Germanenkönig“) zu werden.
Vermutlich wurde er aufgrund von Herrschafts- und Machtansprüchen nach der Schlacht von seinem eigenen Stamm ermordet.

2) „Von Böse zu Gut“ – Als Held hilft Arminius seiner Familie.
Aus Sicht der Römer ist Arminius ein undankbarer Verräter und kein Held. Obwohl sie ihn auch hätten versklaven können, haben sie ihm eine Ausbildung und ein schönes Leben ermöglicht.
Außerdem war Arminius eher ein Römer, als ein „Germane“. Er hatte sein ganzes Leben „römisch“ verbracht.

3) „Die Germanen“ schlagen die unbesiegbaren Römer.
Obwohl dieser Fakt – objektiv betrachtet – stimmt, muss man doch auch hier genauer hinschauen.
Wie oben schon beschrieben gehen die germanischen Stämme äußerst brutal vor. Die Schlacht war schlichtweg unfair.
Viele römische Truppen kommen in dem Gelände nur sehr schwer voran, sodass „die Germanen“ leichtes Spiel haben und diese aus dem Hinterhalt ermorden.
Die germanischen Stämme begehen Kriegsverbrechen unter der Leitung von Arminius.

Fazit

Ein Mythos kann dann entstehen, wenn zu wenig bekannt ist. Dadurch entsteht viel Interpretationsspielraum, sodass einiges anders ausgelegt werden kann, als es eigentlich ist.
Mythen generell erfüllen eine Legitimationsfunktion, müssen also oft als Begründung für bestimmte Handlungen herhalten.
Beispielsweise haben die Nationalsozialisten den Gründermythos als Propagandamittel verwendet.

Insgesamt lässt sich sagen, dass der Mythos des Arminius kritisch betrachtet werden muss und nicht so glorreich ist, wie er scheint.

Dokumentation über Arminius: